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VILNIUS (dpa). Die Regierung von Litauen hat nun zusammen mit der Zentralbank einen starren Umtauschkurs der Landeswährung Litas zum Euro festgelegt. Damit soll die endgültige Ankoppelung an den Euro statt bisher an den Dollar vorbereitet werden. Wie in Vilnius mitgeteilt wurde, gilt seit Samstag ein Kurs von 3,4528 Litas für einen Euro. Ein entsprechender Erlaß trat in Kraft.Die Währung des baltischen Landes war seit 1994 fest im Verhältnis von vier zu eins an den Dollar gebunden. Die Umstellung in der Währungspolitik wurde in Vilnus im letzten Sommer als Schritt für die von Litauen angestrebte Aufnahme in die EU angekündigt. Während bis Mitte der 90er Jahre noch mehr als die Hälfte des Außenhandels mit Rußland und GUS-Staaten abgewickelt wurde, gehen heute knapp 80 Prozent der litauischen Exporte in die Mitglieds- und Kandidatenstaaten der EU, aus denen auch 70 Prozent der Importe stammen.
Ministerpräsident Algirdas Brazauskas sprach von einem weiteren Schritt bei der Integration in die EU. Nach einer neuen Umfrage begrüßen 52 Prozent der Bevölkerung in Litauen die Umstellung zum Euro, während nur 24 Prozent den Dollar als Leitwährung bevorzugen würden. Im Nachbarland Lettland richtet sich die Landeswährung Lat an einen Währungskorb aus Dollar, Yen, Britischem Pfund und Euro, entsprechend der virtuellen Währung SRZ (Sonderziehungsrechte) des Internationalen Währungsfonds. In Estland, dem dritten baltischen Staat, ist die dortige Krone schon seit 1992 fest an die D-Mark und dadurch später auch an den Euro gebunden worden.
Stockholm - Mit großer Mehrheit haben sich die Litauer für den EU-Beitritt ausgesprochen. 91 Prozent der Wähler stimmten mit Ja. Auch das für die Gültigkeit der Abstimmung erforderliche Quorum von 50 Prozent wurde mit mehr als 63 Prozent erreicht. Zuvor hatte es große Sorge vor einer zu schwachen Wahlbeteiligung gegeben. Insgesamt waren 2,7 Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe am Samstag und am Sonntag aufgerufen. Präsident Rolandas Paksas sagte nach der Zitterpartie, die Litauer hätten ihre "Reifeprüfung" bestanden. Damit steht der früheren Sowjetrepublik dem zum 1. Mai 2004 geplanten Beitritt zur Europäischen Union nichts mehr im Wege.Am ersten Tag des Referendums machte sich unter Politikern und EU-Anhängern eine gewisse Nervosität breit. Denn die Wahlbehörde meldete, dass am Samstag nur knapp 30 Prozent der Stimmberechtigten von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht hatten. Letzte eindringliche Appelle der politischen Führung wurden veröffentlicht.
Dem ex-kommunistischen und nun sozialdemokratischen Regierungschef Algirdas Brazauskas stand die Freude im Gesicht geschrieben, als er nach dem gewaltigen Sieg erklärte: "Ich bin wirklich stolz über den historischen Schritt, den das litauische Volk getan hat." Das Ergebnis bestätigte auch nicht unbedingt den bis zum Urnengang vermittelten Eindruck, dass sich bei der Abstimmung die EU-freundlichen Städte und die Brüssel-skeptischen Landregionen gegenüberstehen würden. Selbst die Bewohner von Ignalina, deren zwei Kernkraftreaktoren auf Druck der EU 2005 und 2009 abgeschaltet werden müssen, sprachen sich zu 85 Prozent für den EU-Beitritt aus, während die Region Vilnius auf nur 81 Prozent Jastimmen kam.
Für die Litauer besteht kein Zweifel, was der nächste Schritt nach dem Eintritt in die EU sein wird: die Einführung des Euro. Nach Expertenansicht ist Litauen gemeinsam mit den beiden anderen baltischen Staaten Estland und Lettland dafür besser gerüstet als zum Beispiel Polen und Tschechien. Die stark im Baltikum vertretene schwedische SEB-Bank erwartet den Übergang zum Euro für Estland und Litauen günstigstenfalls für 2006 und für Lettland 2007. Für Polen ist 2008 und für Tschechien "frühestens" 2009 prognostiziert.
Nach dem überzeugenden Sieg der EU-Anhänger mahnen besonnene Litauer ihre Landsleute jetzt allerdings vor allzu hohen Erwartungen. Vor allem müssten sich Bürger und Unternehmen bis Mai 2004 strikt und konsequent den EU-Spielregeln anpassen und lernen, mit ihnen umzugehen. "Uns wird nichts geschenkt, wir müssen viel Eigenleistung erbringen", verlautet aus der Regierung.
Unbestritten dürfte das litauische Abstimmungsresultat Auswirkungen auf die bevorstehenden EU-Referenden in Polen (8. Juni), Estland (14. September) und Lettland (20. September) haben. Unter den 150 zur Abstimmung nach Vilnius angereisten ausländischen Medienvertretern befanden sich 80 Letten und Esten, ein weiteres starkes Kontingent war aus Polen gekommen.
Aber auch Schwedens stellvertretender Finanzminister Gunnar Lund hofft auf einen positiven Effekt für sein Land, wenn es am 14. September über den Beitritt zur Europäischen Währungsunion und die Einführung des Euro abstimmt. "Stimmt Schweden nein, werden wir in ein paar Jahren in diesem Teil Europas als einziges Land mit einer nationalen Währung dastehen", meint der schwedische Minister.